Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich auf einer Insel-Terrasse im Süden von Kroatien. Ja, mit Meerblick 😉 . Es ist Mittag, die Sonne steht hoch am Himmel, es sind über 30 Grad. Zuhause ist jetzt die Zeit, in der viele Menschen die Rollläden herunterlassen, sich ins Haus zurückziehen und darauf warten, dass der Abend endlich etwas Abkühlung bringt.
Stattdessen sitzen hier Menschen unter Pergolen beim Kaffee. Sie lesen auf kleinen schattigen Terrassen, treffen sich auf begrünten Innenhöfen oder verbringen den Nachmittag unter alten Bäumen. Natürlich ist es heiß. Aber die Hitze scheint deutlich weniger ein Problem oder Ärgernis zu sein als bei uns.
Auf den ersten Blick könnte man vermuten, die Menschen hier seien die Hitze einfach gewohnt. Je länger ich jedoch hinschaue, desto mehr glaube ich, dass die Erklärung eine andere ist.
Der eigentliche Unterschied liegt gar nicht so sehr im Klima, sondern in der Art, wie Häuser, Höfe und Gärten gedacht werden. Während wir in Deutschland häufig noch so planen, als wäre möglichst viel Sonne grundsätzlich erstrebenswert, wird hier von Anfang an mitgedacht, wie man mit Sonne lebt. Wie man Schatten schafft. Wie man Luftbewegung ermöglicht. Wie man Aufenthaltsorte gestaltet, die auch an heißen Tagen funktionieren.
Die Hitze wird hier nicht als Störung betrachtet, auf die man später reagieren muss. Sie wird von Anfang an mit eingeplant.
Der wahre Luxus ist Schatten
Wir sprechen oft über große Terrassen, Outdoor-Küchen oder besondere Ausstattungen im Garten. Aber der größte Luxus, den ich hier beobachte, ist erstaunlich schlicht: Man tritt morgens vor die Haustür und befindet sich sofort an einem angenehmen Ort – im Sommer und im Winter gleichermaßen.
Nicht auf einer aufgeheizten Pflasterfläche, die spätestens um elf Uhr unbenutzbar wird, sondern an einem Platz, der Schutz bietet. Unter einer Pergola, neben einer Mauer, die Schatten wirft, unter dem lockeren Dach einer rankenden Pflanze oder im Schutz eines Baumes, der dort schon seit Jahrzehnten steht.
Dieser Gedanke beschäftigt mich zunehmend auch in meiner Arbeit. Wenn unsere Sommer heißer werden, dann wird Schatten vom netten Extra zur eigentlichen Infrastruktur des Gartens.
Ein Garten, der den ganzen Tag Sonne bietet, ist nicht automatisch ein guter Garten. Vielleicht ist er sogar das Gegenteil.
Für Letzteres spricht, dass mir bei Ortsterminen erstaunlich oft von Terrassen berichtet wird, die im Sommer kaum genutzt werden. Da wurden große Südterrassen gebaut, nur um anschließend mit Sonnenschirmen, Sichtschutzwänden und allerlei Notlösungen gegen Sonne, Wind und fremde Blicke anzukämpfen.
Gleichzeitig stehen oft wunderbare alte Bäume im Garten, die als Dreckmacher, Risiko oder Arbeitsverursacher wahrgenommen werden, obwohl sie den wertvollsten Beitrag zum Mikroklima leisten. Und wenn die Temperaturen steigen, rückt plötzlich die ganze Familie mit Gartentisch und Planschbecken möglichst dicht an die Hecke des Nachbarn – nicht, weil es da besonders hübsch ist, sondern einfach weil dort wenigstens ein bisschen Schatten und Windschutz zu finden sind.
Manchmal zeigt sich die Qualität eines Gartens erstaunlich zuverlässig daran, wo die Menschen an einem heißen Sommertag tatsächlich sitzen.

Ein Garten braucht mehr als einen Lieblingsplatz
Besonders spannend finde ich, dass hier in Kroatien niemand versucht, den einen perfekten Sitzplatz für alle Situationen zu finden. Stattdessen gibt es – selbstverständlich! – verschiedene Orte für verschiedene Tageszeiten.
Der Platz für den ersten Kaffee ist natürlich einer mit Morgensonne, direkt am Haus, denn wer will schon den Kaffee – und den zweiten Kaffee! – durch den ganzen Garten tragen? Und man kann von dort gucken, wie der Tag erwacht, aber nicht so gut gesehen werden, als dass die Nachbarn erkennen, dass man noch nicht im Bad war.
Der Lieblingsplatz am Nachmittag befindet sich nur wenige Meter weiter unter einer Pergola. Und für den Abend wandert man noch einmal weiter, dorthin, wo die letzten Sonnenstrahlen des Tages auftreffen. Und/oder der Sonnenuntergang am schönsten ist.
Manchmal liegen diese Orte nur wenige Schritte auseinander. Trotzdem verändern sie die Nutzbarkeit eines Gartens enorm. Und sie verändern sich ganz natürlich mit den Jahreszeiten: Im Winter, wenn das Blätterdach meiner Pergola lichter ist oder kahl, habe ich auch dort einen Sonnenplatz – weil ich mich dann über jeden Lichtstrahl freue.
Deshalb plane ich in meinen Entwürfen fast immer sowohl sonnige als auch schattige Aufenthaltsorte ein. Nicht als Luxusausstattung für große Grundstücke, sondern als grundlegende Qualität eines Gartens. Denn ein Garten verändert sich mit dem Tageslauf, mit den Jahreszeiten und mit den Bedürfnissen seiner Menschen. Warum sollten wir uns also auf einen einzigen Sitzplatz festlegen?!

Warum hier kaum jemand einen Sonnenschirm hat
Je genauer ich hinschaue, desto stärker fällt mir noch etwas auf: Die typischen Lösungen, die bei uns fast selbstverständlich geworden sind, sieht man hier erstaunlich selten.
Große Ampelschirme? Kaum. Leichte Pavillons aus Aluminium? Fast gar nicht. Es wäre oft auch einfach zu windig. Dafür begegnen einem überall dauerhafte Strukturen: Pergolen, Rankgerüste, Laubengänge und begrünte Übergänge zwischen Haus und Garten.
Der Unterschied ist größer, als man zunächst denkt:
Ein Sonnenschirm reagiert auf ein Problem – eine Pergola verhindert, dass das Problem überhaupt entsteht.
Die Pergola schafft einen Raum. Sie gibt Struktur. Sie bildet einen Übergang zwischen Innen und Außen. Im Sommer spendet sie Schatten, im Winter bietet sie Lichtdurchlässigkeit und dennoch „ein schützendes Dach überm Kopf“ mit Halt für Kletterpflanzen; sie schützt Fassaden und schafft eine zusätzliche räumliche Ebene. Mit den Jahren wird sie immer grüner und schöner, während viele mobile Schattenspender irgendwann ersetzt, repariert oder schlicht entsorgt werden.
Das zeigt schön anschaulich: Statt immer neue technische oder mobile Lösungen zu suchen, macht es doch Sinn, bewährte, dauerhafte Strukturen schaffen, die mit dem Garten zusammen wachsen dürfen.

Mauern können kleine Wunder vollbringen
Eine weitere Lektion aus dem Süden hat mich überrascht: Es sind die Mauern.
Bei uns denken viele Menschen bei Mauern zuerst an Grundstücksgrenzen. Hier dagegen tauchen sie oft mitten im Garten, am Rand einer Terrasse oder Sitzgelegenheit auf. Manchmal nur hüfthoch, manchmal höher, oft aus einfachem Naturstein. Oft ist der Grill gleich integriert.
Durch Mauern entsteht etwas, das man schwer in Plänen darstellen kann: Geborgenheit.
Denn eine Mauer gliedert den Raum. Sie hält Wind und Blicke ab. Sie speichert Wärme für die Abendstunden. Sie wirft Schatten. Sie schafft geschützte Ecken für Menschen und Pflanzen. Aus einer großen Fläche werden mehrere kleinere Räume mit ganz unterschiedlichen Stimmungen. Mauern können dabei erstaunlich hübsch sein – und werden, gut geplant, einfach eins mit dem Baukörper des Hauses. Und nein, sie müssen NICHT auf der Grundstücksgrenze rund um den Garten verlaufen – aber zwei-drei Meter Mauer können eine unglaubliche Lebensqualität mit sich bringen.
Oft unterschätzen wir, wie sehr gute Gärten nicht nur durch Pflanzen entstehen, sondern durch das Zusammenspiel aus Vegetation und Raum.
Pflanzen sind die angenehmste Klimaanlage, die wir besitzen
Natürlich wären all diese Orte ohne Pflanzen nur halb so wirksam: Die eigentlichen Heldinnen des Mikroklimas sind Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen.
Pflanzen beschatten Flächen, bevor diese sich aufheizen können. Sie kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung. Sie filtern Staub aus der Luft und schaffen Lebensräume und Nahrung für unzählige Tiere. Vor allem aber machen sie aus einem Garten einen Ort, an dem wir bleiben möchten – auch an Hitzetagen.
Es gibt dabei nicht die eine perfekte Lösung, sondern Vielfalt ist Teil davon: Pflanzen machen den Garten in Kombination mit Mauern, Pergolen, Höfen und Aufenthaltsorten zu einem vielfältigen Gefüge, das als Summe weit mehr leistet als jede einzelne Struktur für sich.
Hinsichtlich der Biodiversität „predige“ ich seit Jahren, dass Vielfalt das wichtigste Gestaltungselement im Naturgarten ist. Hier im Süden wird mir gerade noch einmal bewusst, dass sie eben nicht nur ökologisch wertvoll ist – sondern auch eines unserer wirksamsten Werkzeuge für viele gute Orte im Garten mit hoher Lebensqualität.
Ehrlich, wundert das jemanden? 😉

Wasser macht Räume lebendig
Fast genauso häufig wie Pergolen begegnet mir hier übrigens Wasser. Nicht in Form riesiger Pools, sondern als kleine Brunnen, Wasserbecken, Zisternen oder Tröge.
Das Wasser kühlt nicht gleich den ganzen Garten herunter – das wäre romantische Übertreibung. Aber es schafft Aufenthaltsqualität. Es lockt Vögel an. Es bringt Bewegung und Geräusche in den Raum. Und gerade in Kombination mit Schatten, Pflanzen und Luftbewegung entsteht daraus etwas Frisches, das sich schwer messen, aber sofort spüren lässt.
Wir Menschen lieben nun mal die Nähe zu Wasser, und gerade an Hitzetagen ist seine alleinige Präsenz uns ein ganz besonderer Luxus – und sei es ein plätschernder kleiner Sprudelstein in einem Miniteich oder ein kleiner Brunnen mitten auf einem Hofplatz.
Die Kunst der schattigen Fuge
Noch etwas ist mir aufgefallen: Viele Häuser bestehen hier nicht aus einem einzigen großen Baukörper, sondern aus mehreren kleineren Gebäuden, Anbauten oder Mauern, die Höfe und Zwischenräume entstehen lassen. Und dort, in den Zwischenräumen, spielt sich erstaunlich viel Leben ab.
Diese schattigen „Fugen“ zwischen den Gebäuden bleiben den ganzen Tag über angenehm. Das sind die Orte, an denen der Wind durchzieht, an denen man einen Tisch aufstellen kann oder einfach nur einen Moment der Ruhe findet – die Zwischenräume, zu denen sich die Fenster öffnen und den ganzen Tag offen sein können, weil die kühle schattige Luft hier Durchzug ermöglicht.
Auch bei uns entstehen solche Möglichkeiten oft direkt vor der Haustür, auch ohne dass wir unsere Küche ausgliedern: Ein Carport, der geschickt mit dem Haus verbunden wird, kann eine geschützte Terrasse entstehen lassen. Eine Pergola zwischen Garage und Wohnhaus kann einen Aufenthaltsraum schaffen, wo vorher nur ein Durchgang war. Selbst ein begehbares Garagen- oder Carportdach kann zu einem zusätzlichen Gartenraum werden.
Wir denken häufig in Gebäuden und Freiflächen. Die spannendsten Orte entstehen aber oft dazwischen.

Und der Rasen?
Eine Beobachtung konnte ich allerdings trotz intensiver Feldforschung bislang nicht machen: Rasen.
Stattdessen wachsen Lavendel, Rosmarin, Kräuter, Sträucher, Kletterpflanzen und trockenheitsverträgliche Stauden. Dazwischen gibt es kleine Kiesflächen oder Natursteinpflaster – und ja, auch mal Beton – in schattigen Höfen und an Aufenthaltsorten – und Trockenmauern, die Bereiche rahmen und Gelände terrassieren.
Man könnte fast meinen, die Menschen hier hätten beschlossen, ihre kostbare Energie lieber für das Leben zu verwenden als für die aussichtslose Pflege einer möglichst gleichmäßig grünen Fläche.
Natürlich ist das leicht überspitzt formuliert. Aber die Frage dahinter ist durchaus ernst gemeint: Wenn die Sommer heißer und trockener werden, sollten wir dann wirklich versuchen, jeden Quadratmeter Garten wie einen englischen Parkrasen zu behandeln? Oder lohnt es sich, von Regionen zu lernen, die seit Jahrhunderten mit Trockenheit umgehen müssen?
Ich ahne schon, wie die Ersten jetzt die Stirn runzeln: Ein Garten ohne Rasen?!

„Ja, aber das funktioniert doch nur im Mittelmeerraum!“
Genau hier meldet sich zuverlässig die innere Stimme vieler kritischer Bundesbürger: „Ja, das mag dort im Süden funktionieren. Hier haben wir aber doch wohl ein ganz anderes Klima!“
Das stimmt – zumindest: noch! Aber die Schlussfolgerung ist vielleicht auch die falsche:
Niemand fordert, dass wir künftig Olivenhaine statt Apfelbäume pflanzen oder unsere Dörfer in kroatische Küstenorte verwandeln. Es geht nicht darum, den Süden zu kopieren. Es geht darum, von ihm zu lernen.
Die eigentliche Lektion lautet nicht Rosmarin statt Rittersporn. Die eigentliche Lektion lautet: Schatten mitdenken. Mikroklima-Strukturen gestalten. Aufenthaltsqualität schaffen. Mit Kletterpflanzen, Mauern, Pergolen und Bäumen arbeiten, bevor die Hitze zum Problem wird.
Die gute Nachricht ist: Dafür muss niemand nach Dalmatien umziehen (wobei – es gibt schlechtere Orte 😉 ).

Gärten und Strukturen neu denken: als gute Sommerhitze-Orte
Je heißer unsere Sommer werden, desto weniger wird die Frage lauten, wie wir mehr Sonne in den Garten bekommen – die eigentliche Frage wird sein, wie wir trotz Hitze gerne draußen bleiben.
Die Antwort liegt womöglich nicht in immer größeren Sonnenschirmen und auch nicht in der nächsten technischen Innovation, nicht in luxuriöseren Pools und der neuesten Tröpfchenbewässerung. Eher liegt sie in etwas, das die Menschen rund um das Mittelmeer schon seit Jahrhunderten beherrschen: Nicht kurzfristig vor der Sonne schützen, sondern langfristig mit ihr planen.
Hier im Süden schafft man Schatten, bevor er gebraucht wird. Übergänge denkt man mit. Die Menschen kombinieren Pflanzen, Mauern und Bauwerke zu kleinen Klimainseln. Und sie verstehen den Garten nicht als statisches Freiluft-Wohnzimmer, sondern als dynamischen Lebensraum mit unterschiedlichen Stimmungen, Temperaturen und Qualitäten.
Selbst die Fenster der Häuser können mit ihren zusätzlichen Fensterläden – deren Lamellen sich im Winkel verändern lassen – alle Zustände zwischen ganz offen, winddurchlässig, abdunkelnd und insektensicher bedienen – ein richtig schöner kleiner Luxus!

Und dein Garten?
Schaue ich mir die aktuelle Hitzewelle auch in Deutschland an, wird der wertvollste Luxus der Zukunft vermutlich kein größerer Garten mit noch mehr Rasen und großen, gepflasterten Südterrassen sein.
Viel eher wird es ein Garten sein, der selbst an einem heißen Julitag noch angenehm ist: Ein Ort, an dem man morgens herrlich seinen Kaffee trinken kann, mittags Plätzchen im Schatten findet und abends gerne noch ein wenig sitzen bleibt; ein Garten, der mit dem Klima klarkommt und nicht gegen die Natur arbeitet, sondern mit ihr.
Genau solche Lebensräume zu planen, gehört zu meiner Aufgabe als Planerin. Wenn du deinen Garten klimaangepasst, biodivers und gleichzeitig wunderschön gestalten möchtest, begleite ich dich gern auf diesem wilden Weg.


