“Wie hältst du‘s mit der Pflege im Naturgarten?“

Fast eine Gretchenfrage! Jedenfalls kam es mir gestern so vor, als ich euch auf Instagram nach euren Pflegegewohnheiten gefragt habe :)

Es gibt kein Richtig oder Falsch

Und um es vorweg zu nehmen: Richtig oder falsch gibt es so nicht. Ihr gärtnert naturnah, das ist super. Und außerdem sind mehrheitlich sehr entspannte Gärtner:innen unter euch - sehr schön!

„Naturgärten können intensiv oder extensiv gepflegt werden. Beides ist gut und richtig und abhängig von seinen Besitzern, den Pflege- und Entwicklungszielen.“

Sind Naturgärten nicht sowieso pflegeleicht?

Viele Naturgärten entstehen tatsächlich neben dem biodiversen Aspekt auch aus dem Wunsch heraus, weniger Pflegeaufwand zu haben. Dieses Versprechen können sie, unabhängig vom intensiven oder extensiven Pflegekonzept, halten, denn was fällt im Naturgarten nicht bereits alles weg im Vergleich zu konventioneller Gartenpflege?

(Alle zwei Wochen) Rasen mähen, Hecke schneiden, Hausmeistrschnitt an Gehölzen, Beete nach Jahreszeit mit Blühpflanzen bestücken, düngen, kalken, Unkraut in Fugen abbrennen, gegen vermeintliche Schädlinge vorgehen, täglich bewässern, Erde aufharken, alles Verblühte sofort entfernen … um nur ein paar Tätigkeiten zu nennen, die sich Naturgärtner:innen überwiegend sparen. Weil sie wissen: die Pflanzen brauchen das nicht, und die Tiere stört es, also wozu?

Jedes Stück Garten, das diese Prozedere nicht (mehr) über sich ergehen lassen muss, ist ein Gewinn und wird quasi automatisch zu einem besseren Ort für die Tier- und Pflanzenwelt.

Und jetzt: das aber 😉

Aber – ja, es gibt ein Aber – am Ende einer sich selbst überlassenen Fläche steht in unseren mitteleuropäischen Breiten der Wald. Vielleicht habt ihr es schon mal beobachtet: erst verfilzt das (hohe) Gras, dann kommen Brombeeren und erste Gehölzsämlinge, dann entsteht ein dichtes Gebüsch und dann richtig große Bäume. 15-20 Jahre können reichen. Dann haben wir jede Menge Schatten und richtig blühen tut auch nicht mehr so viel. Und zu groß für innerorts könnten die Bäume auch werden.

Zweites Aber: oft wünschen wir uns durch das Gewährenlassen der Natur, gerade zum Beispiel durch das Umstellen des Rasenmähens, eine Zunahme des Artenreichtums in unserer Wiesenfläche. Doch ganz ohne Eingreifen passiert auch hier das gleiche wie oben beschrieben: Das lange Gras fällt um, wird überwachsen, die Filzschicht nimmt zu und artenreicher wird es nicht, nur reicher an Sträuchern.

Warum kriegen wir durch Gewährenlassen nicht, was wir wollen? Also viel Blüten, viel Artenreichtum, viel Biodiversität?

Weil wir vergessen, dass es in der Natur immer Störfaktoren gibt. Und wenn die nicht in unsere Gärten kommen, müssen wir mit der Pflege ein bisschen eingreifen und selbst den Störfaktor spielen. Schließlich wollen wir Dynamik erhalten und nicht Stillstand.

Was sind Störfaktoren in der Natur?

Drastische Störfaktoren sind zum Beispiel Feuer, Erdrutsche oder Hochwasser. Alltägliche Störungen erfolg(t)en über das Zertrampeln durch Herden von großen Huftieren und das Abgefressen werden. All das passierte auf der Erde, seit auf ihr heutige Lebensbedingungen herrschen und bevor der Mensch sich flächendeckend ausgebreitet hat. Ob wir das gut finden oder nicht: Es ist der ewige Kreislauf des Lebens, und es gibt so unendlich viele Pionierarten, WEIL immer irgendwo eine Störung eintrat. Ohne Störung keine Pioniere.

Halboffene, beweidete Landschaft. Hier bleibt ein Teil kurz, ein Teil lang und der Artenreichtum sehr hoch.

Nehmen wir als Beispiel die Blumenwiese: Damit sie bleiben kann und nicht vergrast oer verbuscht, MUSS sie regelmäßig abgefressen oder heute: abgemäht werden. Sonst verlieren wir die Arten darin, die zart sind, die klein bleiben, die Licht bis an den Boden brauchen zum Keimen oder für die der Boden eine gewisse Wärme haben muss. Die Pflanzen planen es ein, wenig Zeit zu haben zum Hochkommen, blühen und gefressen werden. Das charakterisiert sie als Spezialisten.

Uns Menschen fällt es schwer, in die prächtige Blüte der Margeriten zu mähen oder sensen, aber tun wir es nicht, kriegt irgendjemand Zartes weiter unten seine Chance nicht, weiterzuleben oder zu keimen. Nicht mähen reduziert die Vielfalt auf der Blumenwiese.

Denkt an die Almwiesen und die Kühe: Ein Jahrtausende alter Pakt. Und wo kein Pflanzenfresser weidet und trampelt, müssen wir im Garten quasi den Job der Kuh oder des Auerochsen oder des Mammuts oder welches großen Tieres auch immer machen, die es hierzulande gab und die Jahrhunderttausende lang dafür gesorgt haben, dass wir halboffene Landschaften und hohen Artenreichtum haben bzw. hatten.

Im Naturgarten planen und gestalten wir sehr bewusst, um eine möglichst hohe Anzahl an Standorten zu erreichen und damit einhergehend hohe Biodiversität. Wald plus Teich plus Sandfläche plus Blumenwiese plus Saum plus Wildhecke haben eine höhere Biodiversität als nur ein Standort, der Wald, allein – klar eigentlich. Wenn es also darum geht, diese vielen angelegten Standorte zu erhalten, ist Pflege das Mittel der Wahl, und wir haben den dirty Job, ein bisschen zu resetten, bevor am der Wald übernimmt.

Daher : ein bisschen Pflege ist schon nicht schlecht 😉.

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