Kennst Du schon den Unterschied zwischen „insektenfreundlich“ und wirklich nützlich für Insekten?

"Insektenfreundlich" ist das Gummiwort des Jahres (mindestens). Es wird dort gebraucht, wo es politisch, wirtschaftlich, medial oder auf Verbandsebene gerade ein bisschen grüner werden soll. Höchste Zeit, genauer hinzugucken.

 

Der aktuelle „Boom“ des naturnahen und insektenfreundlichen Gärtnerns ist respektabel. Auf der einen Seite ist es toll, dass das Thema Naturnähe so gegenwärtig ist und einen so großen Stellenwert im öffentlichen Bewusstsein bekommt. Genauso gut ist es, dass überall auf das Insektensterben und den Verlust der Artenvielfalt hingewiesen wird. Davon hätten wir vor ein paar Jahren noch geträumt!

Aber wie immer, wenn etwas „trendet“, muss man gar nicht lange warten, und schon kommen aus allen Ecken sehr pfiffige Marketing-Experten und machen aus einem Begriff das Kauf-Buzzword der Stunde.

So passiert es aktuell mit dem Begriff „insektenfreundlich“. Egal wo ihr euch umguckt: Es ist kaum zu glauben, was heutzutage alles insektenfreundlich ist! (Wartet´s ab, demnächst sind auch Mähroboter und Rattengift insektenfreundlich!) Ganz vorn der aktuelle Klassiker: Eine Biene sitzt auf einer Blume – yeah, die Blume ist insektenfreundlich!

Die Biene auf der Blüte – der Inbegriff von Insektenglück?!

Könnte man meinen. Aber hey, manchmal sitzen Bienen auch auf einer Hauswand oder auf dem Asphalt – sind die dann auch insektenfreundlich? Natürlich nicht, niemand käme auf diesen Gedanken. Warum glauben wir dann, das träfe auf alle möglichen Pflanzen zu, egal wie steril, überzüchtet oder exotisch diese sein mögen? Im Artikel über die Forsythie gehe ich schon darauf ein, warum diese kein bisschen nützlich für Insekten ist. Trotzdem findet man abgebrühte Pflanzenproduzenten, die auch auf Forsythien allen Ernstes „insektenfreundlich“ draufschreiben. Weil es sich besser verkauft. Und ja, manchmal sitzt auch da eine arme Biene drauf. Und guckt in die Röhre. Und fliegt hoffentlich schnell weiter.

Daher: Obacht! „Insektenfreundlich“ als Eigenschaft auf einer Sache, die man kaufen kann, sagt leider oft gar nichts (mehr) aus über den wirklichen Wert für Insekten.

Aber was ist denn dann insektenfreundlich?

Dazu ein paar Fakten:

  • Es gibt in Deutschland geschätzte 33.000 verschiedene Insektenarten, davon mehr als 560 Wildbienenarten. Allein bei den Wildbienen sind schätzungsweise 80-90% auf ganz bestimmte, hierzulande wild vorkommende Pflanzen angewiesen. U. a. weil diese Pflanzen in der freien Natur immer seltener werden, ist auch die Hälfte der Wildbienen-Arten vom Aussterben bedroht (also, von Insektiziden und Lebensraumverlust mal abgesehen …).
  • Bienen, Schmetterlinge, Käfer und Fliegen durchlaufen Metamorphosen, in denen sie sich komplett verwandeln. Bevor sie fliegen und auf Blüten sitzen und uns umsummen können, sind sie immer eine Zeitlang (oder auch die längste Zeit ihres Lebens!) Ei, Raupe, Engerling oder Puppe, leben in völlig anderen Lebensräumen und fressen völlig andere Sachen – überwiegend sogenannte „Blattmasse“, aber auch Holz oder Aas.
  • Keine Pflanze will diese „Blattmasse“ sein, also gefressen werden und hat deshalb Abwehrstrategien entwickelt: Gift, Dornen, Harz, sehr harte Blätter oder Bitterstoffe, um ein paar zu nennen. Aber im Laufe der Jahr(zehn)tausende (das geht halt nicht von heute auf morgen) haben es pro Pflanze jeweils ein paar Insekten geschafft, mit dieser Abwehr umzugehen. Daraus sind hoch spezialisierte Abhängigkeiten entstanden – bis hin zu Raupen, die eine sehr giftige Pflanze fressen und es nicht nur überleben, sondern dadurch selber giftig werden und ihre eigenen Überlebenschancen erhöhen. (Wer mehr über diese Abhängigkeiten wissen will, dem sei übrigens das Buch „Tiere pflanzen“ von Ulrike Aufderheide sehr ans Herz gelegt!)
  • Dass Pflanzen von Insekten abgefressen werden, planen sie mit ein. Sie sterben daran normalerweise nicht, sondern treiben einfach neu aus oder produzieren von vornherein mehr Blätter, als sie für sich selbst brauchen. Außerdem sind die Fressfeinde der Fressfeinde meist nicht weit. Die Natur regelt das. Nur wo der Mensch die Natur völlig aus dem Gleichgewicht gebracht hat, fehlen sämtliche Regulationsmechanismen.

 

Ihr seht, es greift zu kurz, allein eine Blüte anzugucken und zu sagen, Insekt sitzt drauf – toll, insektenfreundlich. Das ist nur ein Indiz unter vielen und manchmal nicht einmal das – siehe Hauswand oder Asphalt. Im Umkehrschluss kannst Du aber sehr wohl den Rückschluss ziehen: Eine Pflanze, die niemals Tiere auf ihren Blättern sitzen hat oder die geringste Fraßspur aufweist, hat offensichtlich keinen relevanten Wert für das Ökosystem vor Ort.

Eine Umgebung, die wirklich nützlich für Insekten ist, lässt sich nicht auf ein paar Blühpflanzen beschränken. Sie bietet auch den Vor-Stadien der Bienen und Falter Lebensraum und Nahrung, verzichtet auf Pestizide, lässt zu, dass Pflanzen von „Schädlingen“ befallen werden und hat vor allem auch genug ungestörten Lebensraum im Angebot, indem eine gewisse Vielfalt an Strukturen und damit Rückzugsmöglichkeiten besteht.

Wie Du eine solche Umgebung schaffst, kannst Du online hier erfahren:

 

 

 

Alle mögen Marienkäfer. Keiner mag Blattläuse. Menschen sind leider völlig widersprüchlich ...

Lerne die ultimativen Basics im Naturgarten kennen!

Melde Dich zum Newsletter an und erhalte das kostenlose, 25-seitige Freebie als Willkommensgeschenk, um in Deinem Garten naturnah zu starten.

Kontakt

Was kann ich für Sie tun?
Wie kann ich Dich erreichen?
Ihre Nachricht an mich:
Cookie Consent mit Real Cookie Banner