Blumenwiese? Saum? Blumenmischung? Blühstreifen? Eine kleine Übersicht

"Der erste Weg zum Naturgarten ist der Griff in die richtige Tüte!" - Hier erfahrt Ihr, welche Tüten wofür geeignet sind.

Seit einigen Jahren werden wir mit Samentütchen geradezu bombardiert. Jeder Wahlkampf, jede Messe und jedes Volksfest wartet auf mit blühenden Goodies. Sie versprechen Blumenwiesen, Bienenfestmahle, Schmetterlingsbuffets oder ganze Insektenschlaraffenländer. Gemeinsam haben sie vor allem eins: Sie sind überwiegend Mist. (Und schon gar keine Blumenwiese.)

Warum das?

Weil die meisten Saatgutmischungen, die man hier und da gratis bekommt, nicht nachhaltig sind. Heißt: vielleicht ganz hübsch, aber das war’s schon. Und zwar aus verschiedenen Gründen:

  • Sie enthalten nur oder überwiegend einjährige Pflanzen, die schnell und bunt blühen – BAM! Und das war’s dann. Im Folgejahr ist nix mehr mit Blütenpracht. Nur sagt einem das keiner.
  • Von den einjährigen Pflanzen sind die meisten auch noch Exoten, mit denen nur ca. 10% der Insekten hierzulande – die sogenannten Generalisten, also die Allesfresser – etwas anfangen können. Zum Beispiel die Honigbiene. Die freut sich zwar, aber sonst kaum jemand. 90 % der Wildbienen, Falter und Hummeln gucken in die Röhre, denn sie sind auf heimische Pflanzen angewiesen. Klar könnt Ihr solche Mischungen säen und euch am Knallbunt-Effekt freuen – aber naturnah im Sinne von (über-)lebensfördernd ist es eben nicht.
  • Was diese Pflanzen schon gar nicht sind und auch nicht werden, ist eine Blumenwiese. Eine Blumenwiese ist eine großflächige, artenreiche und über Jahre, auch Jahrhunderte gewachsene Gemeinschaft von überwiegend dauerhaften Pflanzen und Gräsern. Mehr dazu im Folgenden!

Wenn Ihr also bei Euch eine blühende Fläche einsäen möchtet, dann tut das am besten von vornherein mit vernünftigem Saatgut. Das gibt es zum Beispiel hier oder hier und auch hier und hier. Und hier. (Es gibt noch mehr, aber hey, alle krieg ich hier nicht unter …) Alle Hersteller geben meist noch eine Menge an Informationen zu den Produkten und wie man richtig damit umgeht. Informieren ist Gold, nehmt Euch die Zeit.

Blühender Saum, Blumenwiese, Blumenhecke, Blumenmischung? Was nehmen?

Schritt 1 habt Ihr geschafft: Ihr seid bei den richtigen Herstellern gelandet und schon mal safe vor dem Kauf einer Quatsch-Mischung. Jetzt ist natürlich die Frage, was Euer Ziel im Garten ist bzw. wo Ihr Blumen wollt und in welcher Höhe. Meistens reden wir ja entweder

  • erstens von eher kleineren Blumenbeeten oder Rabatten,
  • oder zweitens von Flächen an Grundstücksgrenzen bzw. entlang von Zäunen,
  • oder drittens von Rasenflächen, die ganz oder zum Teil vielfältiger umgewandelt werden sollen.

Also muss man ein bisschen gucken, welche Saatgut-Tüte wohin am besten passt. Wir fangen rückwärts, also mit den größten Flächen an.

Blumenwiese: Der Klassiker offener Landschaften

Ursprüngliche Blumenwiesen sind auf offenen, von Huftieren beweideten Landschaften entstanden. Bevor der Mensch eine Rolle spielte, waren diese Tiere z. B. wilde Herden von Auerochsen und Büffeln, später (Nutz-)Kühe, Schafe und Ziegen in Begleitung ihrer Hirten. Ob mit Hirtenbegleitung oder ohne, die Tiere taten alle das gleiche: Fressen und Dung hinterlassen, Flächen partiell zertrampeln und letztlich: sterben. Aus einer Wechselwirkung von Nährstoffeintrag (Dung und Aas) und Abmagerung (Fressen) sowie Saatguttransfer (im Fell) entstanden Blumenwiesen als einer der artenreichsten Lebensräume überhaupt.

Wenn wir uns für eine „richtige“ Blumenwiese entscheiden, muss klar sein:

  • Zum regelmäßigen Betreten und Bespielen ist sie nicht geeignet! Wohl aber, um ohnehin zu große, ungenutzte Rasenflächen in artenreichere, ungestörte Gartenareale umzuwandeln. Wenn Ihr die Wiese als Spiel- oder Aufenthaltsfläche braucht, haltet Ausschau nach Tritt- oder Kräuterrasenmischungen. Die können, einmal eingewachsen, Begehung vertragen.
  • Eine Blumenwiese enthält immer einen Gräseranteil und ist nie so bunt wie eine reine Blumen- oder Kräutermischung.
  • Eine Blumenwiese wird 2-3x im Jahr gesenst (oder gemäht), am besten in Etappen (wie die Kuh ja auch nicht alles auf einmal frisst …). So blüht immer etwas und die Insekten haben Ausweich-Areale. Das geht, weil Blumen in einer Blumenwiese es grundsätzlich vertragen, abgeschnitten zu werden, und ihre Fortpflanzung dadurch nicht leidet.
  • Das Mahdgut bleibt ein paar Tage auf der Fläche liegen und wird dann unbedingt abgeräumt.
  • Eine Blumenwiese geht kurz, also gemäht in den Winter!

Wird eine Blumenwiese nicht beweidet bzw. gemäht, überlebt sie nicht. Sie verbuscht und wird irgendwann zu Wald. Weil heute auf den meisten Freiflächen keine Tiere mehr umherziehen, sind Blumenwiesen ein höchst selten erhaltener Lebensraum geworden – und die dort lebenden Insekten ebenfalls bedroht.

Blumenwiese

Bunte/blühende/schattige Säume: Die linearen Experten für Übergänge

Zwischen Saum und Blumenwiese gibt es drei Hauptunterschiede:

  • Während Blumenwiesen uralt werden können, sind Säume zeitlich begrenzt.
  • Säume sind meistens linear (lang und schmal) ausgerichtet und eine Gesellschaft der Übergänge. Sie stehen da, wo Wald in Wiese übergeht, Mauer in Garten, Zaun in Grundstück. Oder sie sind selbst der Zaun bzw. die blühende Begrenzung. Wie der Name schon sagt: sie umsäumen etwas bzw. grenzen etwas ab. Oder verbinden, wie man´s nimmt.
  • Säume werden nicht gemäht. Oder nur sehr selten. Aber auf keinen Fall vor dem Winter!

Säume sind wertvolle Puffer zwischen zwei Arealen. Die typischen Saumpflanzen sind höher als Wiesen und die meisten Beetstauden; sie können größer werden als erwachsene Menschen. Deshalb werden sie gerne als Hecke oder Teil-Sichtschutz entlang von Zäunen gesät; es gibt sogar spezielle Mischungen für sogenannte Blumenhecken. In einem Saum finden viele Tiere einen Rückzugsort von der freien Fläche und auch ein Winterquartier, denn Säume werden NICHT vor dem Winter abgemäht. Im Gegenteil, für viele Saumpflanzen ist es wichtig, dass die Samen ausreifen und sich über den Winter verteilen können. Nebenbei erfreuen sich Vögel an den Samen und Insekten an den Überwinterungsmöglichkeiten in den teilweise zentimeterdicken Stängeln von Wilder Karde oder Königskerze.

Säume kann man auch hervorragend zwischen eine neu gepflanzte Wildhecke („Vogelschutzhecke“) säen, wenn die Heckensträucher noch klein sind. Mit der Zeit wachsen die Sträucher, und der Saum verschwindet.

Stauden im Saum

Und wenn ich einfach viele bunte einheimische Blumen will?

Auch hier könnt Ihr supergut und vor allem günstig zum Saatgut-Tütchen greifen. Einige der genannten Hersteller bieten Saatgutmischungen für einjährige Beete, für Hummeln, für Schmetterlinge oder für Nachtfalter an. Die bestehen dann zu 100 % aus Blumen bzw. Kräutern (also ohne Gräseranteil).

Wichtig zu wissen ist, dass es sich dabei dann nicht um eine Blumenwiese handelt und ihr dementsprechend nicht mähen müsst. Saatgutmischungen im Beet haltet ihr einfach von Unkraut* frei und lasst die Stängel für die Insekten im Winter stehen. Wird es mit der Zeit öde oder lückenhaft, könnt Ihr einfach stellenweise nachsäen.

Also dann: viel Spaß beim Säen und wachsen lassen!

*Im Naturgarten reden wir durchaus von Unkraut, und wir wollen auch nicht alles Wilde im Garten haben. Löwenzahn z. B. und Brennnesseln gibt es in freier Landschaft oft genug. Und sie sind so konkurrenzstark, dass sie viele zartere Stauden verdrängen würden. Gleiches gilt für Giersch oder Ackerkratzdistel. Sie neigen einfach zum Übertreiben und wollen die Weltherrschaft. Im Naturgarten wollen wir aber Vielfalt. Daher verteidigen wir die Schwächeren 🙂 .

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